Bugholz – Die Kunst des Biegens

Holz ist ein wundervolles Naturprodukt, das lebt und atmet. Vor allem, wenn es möglichst wenig und schonend behandelt wird. Die Firma Thonet stellt aus diesem Material auf einzigartige und nachhaltige Weise wunderschöne Bugholz-Möbel her.

Erfindung des “Holzbiegens”

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts konnte Holz nur in geraden Formen verarbeitet werden. Michael Thonet gelang in den 1850er Jahren der Durchbruch beim sogenannten “Holzbiegen”. Dabei wird das Holz zunächst mehrere Stunden unter Druck und bei über 100 Grad “gedämpft”. Erst dann kann man es mit Kraft in die gewünschte Form biegen und nach mehrtägiger Trocknung behält es diese auch für immer.
Durch diese Innovation war es erstmalig möglich, Holz auch in runde Formen zu bringen, ohne dass es dabei bricht. Das ermöglicht natürlich völlig neue und nie dagewesene Möglichkeiten beim Design von Möbeln.

Anleitung für einen Bugholz-Stuhl

  1. Schritt: Holzschnitt

    Zunächst wird ein Kantel aus Buche zu einem Stab gedrechselt. Dank der kurzen Holzfasern ist Buchenholz sehr stabil und eignet sich besonders gut für das Bugholzverfahren. Der Faserverlauf ist für den Biegevorgang von großer Bedeutung: Biegt man gegen die Faserstruktur, bricht das Holz.

  2. Schritt: Mit Volldampf unter Hochdruck

    Bei mehr als 100 Grad Celsius werden die Hölzer gedämpft. Etwa sechs Stunden bleibt das Material unter Druck im Dampfkessel. Durch diesen Druck wird der Wasserdampf in das Holz gepresst, bis es schließlich gesättigt ist. Die hohe Temperatur macht den Buchenstab extrem elastisch – die wichtigste Voraussetzung für den anschließenden Biegevorgang.

  3. Schritt: Vorbereitung des Biegevorgangs

    Der Holzstab wird nun von Fachkräften, den Biegern, mittig in die Biegeform gelegt. Ein Metallband, das auf der äußeren seite des Buchenstabes befestigt wird, verhindert, dass die Holzfasern im Außenradius gestreckt werden. Ohne diese Unterstützung würden sie reißen und das Holz brechen.

  4. Schritt: Vom Holzstab zur Rückenlehne

    Nun geht es ans Biegen: Mit vollem Körpereinsatz drehen die Bieger die beiden Seiten des Stabes jeweils um 70 Grad nach innen. Um die leichte Außenwölbung der Hinterbeine zu erzeugen, werden die Endstücke des Stabs daraufhin ein wenig entgegen der Biegerichtung gezogen. Abschließend wird das Material in der Biegeform fixiert.

  5. Schritt: Trocknung

    Damit nun die gebogene Lehne ihre neue Form behält, wird das Holz in seiner Biegeform für zwei Tage in einer Trockenkammer gelagert. Nach diesem Vorgang enthält das Holz nur noch einen sehr geringen Anteil an Feuchtigkeit und wird anschließend aus der Biegeform gelöst.

  6. Schritt: Der letzte Schliff

    Nach diesem Fertigungsschritt wird die Rückenlehne weiterverarbeitet. Zunächst wird das Holz geschliffen, bis die Holzoberfläche samtweich ist, und anschließend mit den anderen Teilen zu einem fertigen Stuhl montiert. Zum Schluss wird das Holz gebeizt oder lackiert und erhält somit seine persönliche Note.

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